Aufgabenstellung
Diese Arbeit soll ausdrücklich nicht zum Thema haben,
was Sucht
nun wirklich ist. Sollte ich jemals Illusionen gehabt haben, das
‘wahre Wesen der Sucht’ nun
endgültig auf den
Punkt zu bringen, so sind diese bald verflogen. Gar zu umfangreich ist
die Literatur zu diesem Thema, gar zu vielfältig die
Auffassungen
der Autoren. Vor allem wollte ich nicht weitere
„große,
fette Worte ohne viel Inhalt“ hinzufügen, die in der
Suchtforschung „eifrig und andauernd“ benutzt
würden,
nicht weil sie wissenschaftlich brauchbar sind, sondern „weil
sie
eine soziale Funktion haben“ (eigene Übersetzung,
vgl. Bacon
1976:57 und Material: Bacon).
Untersuchen will ich in meiner Arbeit vor allem, ob vor 1800
Entzugssymptome von Opium und Alkohol ‑ genauer: morphinhaltigen und
ethanolhaltigen Substanzen ‑ beschrieben wurden, und welches
Problembewußtsein es in Bezug auf diese Substanzen und deren
Gebrauch gab. Im ersten
Kapitel,
„Zur Geschichte von Opium“ gehe ich auch etwas
detaillierter auf die Verbreitung von Opium in den einzelnen Epochen
ein, weil erst bei einer gewissen Verbreitung ja ein Fehlen von
Entzugssymptomen oder Problembewußtsein interessant ist.
Zudem
scheint mir in der Fachliteratur die Geschichte dieses Rauschmittels
oft recht unterbelichtet zugunsten der grellen Scheinwerfer
über dem heutigen Heroinproblem ‑ vielleicht wegen eines
schwerverdaulichen Kontrastes. Da in der sozialpädagogischen
Arbeit aber Heroinprobleme nach wie vor eine große Rolle
spielen,
schien mir eine sachliche Aufhellung der Geschichte der
Heroin‑Grundsubstanz Opium einer wissenschaftlich unvoreingenommenen
Betrachtung wie auch der Information von im Suchtbereich
tätigen
SozialpädagogInnen dienlich. (Zur Vergleichbarkeit von Opium
und
Heroin siehe auch Kapitel
1.5.2).
Im zweiten
Kapitel,
„Zur Geschichte von Alkohol“, habe ich dagegen auf
die
Darstellung der Verbreitung von Alkohol in den verschiedenen Epochen
und Kulturen weitgehend verzichtet, vor allem aus Platz‑ und
Zeitgründen. Auch über Warnungen vor
Weingenuß und
gesellschaftliche Kontrollen von Alkohol konnte ich nur einen knappen
und generalisierenden Überblick bieten, da der Rahmen der
Arbeit
sonst gesprengt worden wäre. Etwas genauer bin ich auf
besonders
auffällige Beschreibungen von möglichen
Fällen von
Alkoholismus eingegangen sowie von einzelnen Entzugssymptomen in der
Zeit vor 1800 (Kap.
2.1).
Im Kapitel
2.2
gebe ich einen kurzen Überblick über die Entstehung
der
Theorien über Trunksucht ab 1790, und ihren Einsatz
in dem
darauffolgenden Diskurs über die gesellschaftliche
Gefährlichkeit von Alkohol. Auf eine detaillierte Darstellung
der
einzelnen Suchttheorien mußte ich wegen Zahl und Vielfalt der
Theorien weitgehend verzichten.
Im dritten
Kapitel will ich einen kleinen sprachwissenschaftlichen
Abriß zur Etymolologie und Entwicklung des Wortes
‘Sucht’ im Deutschen geben. Anhand der
Wortgeschichte will
ich die allgemeine historische Entwicklung von der indogermanischen
Zeit bis zur Moderne verdeutlichen, um die Verwendung des Wortes als
heutigen wissenschaftlichen Fachbegriff zu verstehen.
Zum Kapitel gehört auch ein kleiner
Sprachvergleich der Worte ‘Krankheit’ in
anderen
germanischen und (Drogen‑)’Sucht’ in
anderen
europäischen Sprachen, um zu sehen, wie andere Sprachen den
nur
dem Deutschen eigenen Fachbegriff ‘Sucht’
übersetzen.