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INHALTSVERZEICHNIS
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3.1.2 Der magisch-dämonische Charakter des Wortes

3.1.3  ‘Sucht ‑ Heil’ versus ‘Krankheit ‑ Gesundheit’

 Das alte Gegenstück zu Krankheit = Sucht war ‘Heil’ = Gesundheit. In dieser Bedeutung hat es sich bis heute in ‘heilen’ (‘gesund machen’) erhalten. Heil bedeutet aber, ähnlich wie Sucht, noch mehr, und deutet auf eine magisch‑ganzheitliche Weltsicht. Es meinte das persönliche Glück eines Menschen (so noch etwa in ‚Petri Heil!’ erhalten), das ‘Mana’, also die universale Vorstellung einer Lebenskraft, ohne welche das Leben sinnlos war und der Tod nahte.

In diesem ganzheitlichen Sinne blieb das Wort noch als Adjektiv ‘heil’ = ‘unbeschädigt, ganz, nicht kaputt’ erhalten. Mystisch überhöht blieb das Wort auch in ‘heilig’ aktuell, und auch die Nazis griffen bei ihrem ‘deutschen Gruß’ gerne auf die alte Bedeutung der Germanen zurück (zu Heil, heilen, heilig, heil vgl. Pfeifer 1995:523f).

Es ist bezeichnend, daß während der geistigen und gesellschaftlichen Veränderungen, die allmählich zur Neuzeit führten (vgl. 3.2.1), auch die alte magisch-ganzheitliche Vorstellung von ‘Sucht und Heil’ eine Änderung erfährt. Für ‘Sucht’ und ‘siech’ bürgern sich etwa ab dem 14.Jahrhundert ganz allmählich die Worte ‘Krank­heit’ und ‘krank’ ein. „Kranc“ hatte noch im 13.Jahrhundert die alte Bedeutung von „schwach, kraftlos, klein, schmal, gering, schlecht“ und ist mit ‘krumm’ verwandt, im Sinne von „durch Schwäche krumm“, wurde aber nur selten benutzt (vgl. Pfeifer 1995:726).

Die neue Zeit verwarf das alte Wort ‘suht’, das auch eine fast ehrfürchtige, magisch­‑numinose Nuance besaß. Der Kranke spiegelte nicht mehr die Macht eines dämonischen Elbs, sondern wurde nun für schwach, gering und schlecht, für wertlos erklärt. Er wurde in der Tat im zunehmenden Prozeß der Auflösung der alten Feudal‑ und Hausgemeinschaft, der neuen Bedeutung von Handel, Manufakturen, gestiegener Entfremdung und Geldakkumulation, zunehmend wertlos, im ökonomischen Sinne nutzlos.

Gleichzeitig mit ‘Sucht’ trat das Wort ‘Heil’ zurück und wich der ‘Gesundheit’. Diese bezeichnete im Althochdeutschen noch die „Unverletztheit“ ‑ Sucht bezeichnete ja nicht Krankheiten durch Verletzung (vgl. 3.1.1). ‘Gisunti’ meinte das Rüstige und Starke, und ‘Gesundheit’ kann so als das nun Nützliche im Gegensatz zum Wertlos‑Kranken betrachtet werden (zu ‘Gesundheit’ vgl. Pfeifer 1995:442).

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3.1.4 Kleiner europäischer Sprachvergleich