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INHALTSVERZEICHNIS
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 1.3.2 Berichte westlicher Ärzte um 1500

1.4.1  16.Jahrhundert ‑ Gelobtes Laudanum

Mit der Neuzeit tauchte ein neuer Stern am Himmel der Medizingeschichte auf: Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493‑1591). Er brach mit Galens Säftelehre und lehnte „die Rezepturen der antiken Autoren und die von den islamischen Ärzten übernommenen Arzneiverordnungen mit ihrem Hang zur Polypharmazie“ ab (vgl. Kreutel 1988:104).

„Paracelsus zählt das Opium zu den ‘sex principes simplicium’, nämlich Rhabarber, Ipecacuanha, Chinarinde, Opium, Fingerhut, Mutterkorn“ (Seefelder 1990:123). Er verschrieb viel Opium und Nachtschattenalkaloide enthaltende Pflan­zen und „griff die Ärzte an, die deren Anwendung verwarfen ...“ (vgl. Originalzitat bei Kreutel 1988:106) Denn er war der Meinung, wie in seinem wohl bekanntesten Zitat zum Ausdruck kommt: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist“ (cit.bei Seefelder 1990:124).

Das berühmte Laudanum war eine Erfindung Paracelsus’. „Ich hab ein archanum [=Arkanum], heiß ich laudanum, ist uber das alles wo es zum tot reichen wil“ (SQ Paracelsus 1928: X,165). Laudanum war eine bis ins 20.Jahrhundert vielgebrauchte Flüssigarznei: viel Opium gelöst in Alkohol, etwa spanischem Wein, gewürzt mit Zimt und anderen Dingen (vgl. Kreutel 1988:135). Noch in der Pharmacopoea Helvetica VI von 1971 findet es sich. Im 19.Jahrhundert wurden die Bezeichnungen Laudanum und Opium sogar synonym gebraucht (vgl. Kreutel 1988:110).

Paracelsus’ Laudanum war allerdings „wiederum ein Arcanum, ein Geheimmittel“, und so ist nicht ganz klar, ob nicht erst „seine Nachfolger etwa nach 1600 ... den Opiumpräparaten den Namen Laudanum beilegten.“ (Sonnedecker 1963:838). Jedenfalls herrschte „seit Beginn des 17.Jahrhunderts ... schon die Meinung, des Paracelsus’ Laudanum sei eine Opiumarznei gewesen“ (Kreutel 1988:109).

Paracelsus „war ein Zwerg, hatte einen Buckel und war offenbar von Geburt an behindert, was diesen eruptiven Geist zu beständigem Aufbäumen gereizt haben dürfte ...“ (Seefelder 1990:119). Paracelsus war häufig von einem über­schwenglichen Enthusiasmus und er beging „massive Angriffe auf die alten Autoritäten“ (vgl. Seefelder 1990:121). Vielleicht darum meint Louis Lewin: „Sein späteres Leben und Tun macht den Eindruck, als sei er Opiophag [=Opiumesser] gewesen. Ich glaube, daß dies der Wahrheit sehr nahe liegt. Menschengebaren seiner Art habe ich bei manchen Morphinisten gesehen“ (Lewin 1927:59).

„Von Paracelsus abgesehen rieten die Ärzte des 16.Jahrhunderts eher zur Vorsicht im Umgang mit Opium“ (Kreutel 1988:110). So warnte etwa Pietro Mattioli (1501‑ 1577), Leibarzt Kaiser Ferdinand I.: Es „... gehöret nicht in Leib/ denn im fall der grossen not/ ... da sonst keine Artzney helffen wil/ da mag man das Opium brauchen/ doch mit bescheidenheit und zusatz der correction ...“ (SQ Mattioli 1590:37­0). Als ein ‘Korrektionsmittel’ wurde schon seit Galens Zeiten immer wieder gerne Castoreum verwendet, das ist Bibergeil, das als heiß galt und so die ‘tödlich kältende Wirkung’ des Opiums zu lindern vermochte (vgl. Seefelder 1990:49).


An medizinischen Verwendungen des Schlafmohns waren bis 1600 bekannt:

a) schlafbringende,
b) hustenstillende,
c) schmerzstillende,
d) bei psychischen Erkrankungen lindernde,
e) bei Fieber, infolge seiner ‘kältenden’ Wirkungen,
f) bei Augenkrankheiten                  

(vgl. Kreutel 1988:117)



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