Methodik
Es handelt sich bei meiner Arbeit im wesentlich um eine
kumulative, um eine Sichtung und Sammlung bestehender Arbeiten zu den
oben genannten Themen. Diese Arbeiten stammen aus verschiedenen
wissenschaftlichen Bereichen, und ich habe versucht, nach
bewährter interdisziplinärer Manier der
Sozialpädagogik die wichtigsten Erkenntnisse aus mehreren
Disziplinen
zusammenzufassen.
Die wichtigsten Arbeiten stammen aus dem historischen Bereich
(vor allem aus der Sozial‑, Sprach-, Medizin‑ und Pharmaziegeschichte),
sowie der Psychiatrie und Suchtforschung. Zur
Ergänzung und Erklärung kamen einige Arbeiten aus den
Disziplinen Philosophie, Anthropologie und
Literaturwissenschaft hinzu.
Ich habe jedoch nicht nur Informationen angehäuft,
sondern wollte und mußte sie bei der Fülle auch nach
größeren Zusammenhängen auswerten. Dabei
habe ich mich meistens auf die wissenschaftlich plausibelsten
Bewertungen anderer zu den Einzelthemen gestützt. In einigen
wenigen Fällen habe ich auch bisher wenig beachtete
Zusammenhänge gezogen, vor allem im sprachhistorischen
Kapitel, etwa zur indogermanischen Wurzel des Wortes
‘Sucht’, oder zur semantischen Verknüpfung
mit ‘suchen’ und ‘Sehnsucht’.
Ich habe die Form einer größtenteils historischen
Arbeit gewählt, weil in der sozialpädagogischen Lehre
der historische Blickwinkel auf ein Problemfeld eine allgemeine
– und leider oft zu wenig erfüllte –
Forderung ist. Auch in der Sucht-Fachliteratur wird der historischen
Dimension des Problems meist wenig Aufmerksamkeit geschenkt.
Der Sinn dieser Arbeit aber ist es vor allem, einer der wichtigsten
Eigenschaften praktisch tätiger SozialpädagogInnen -
der Fähigkeit zur Selbstreflexion - Möglichkeiten zur
Ausbildung zu geben. Für eine geglückte
Selbstreflexion wäre es sinnvoll, auch die eigenen -
kulturell geprägten - Wertvorstellungen erkennen zu
können, und ihre historisch gewachsene Bedeutung. Da die
prägende Kultur für die meisten
SozialpädagogInnen und ihren künftigen Arbeitsplatz
im weiteren Sinne die des europäischen Bürgertums
ist, könnte eine Beschäftigung mit den historisch
gewachsenen Werten dieser Kultur m.E. nützlich sein.