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Vom Rausch in Orient und Oxident

Schamanismus und archaische Ekstasetechnik

Morphium - Erzählungen und Erinnerungen

Annäherungen - Drogen und Rausch

Kleine Kulturgeschichte des Rausches seit dem Garten Eden

Die Macht der Trunkenheit

Das Ritual der Drogen

Rausch und Realität - Drogen im Kulturvergleich

































INHALTSVERZEICHNIS
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 1.1.2 Rom - Das Gegengift und der Philosophenkaiser

1.2.1  Christentum und Islam

Mit dem Niedergang Roms und dem gleichzeitigen Aufstieg der christlichen Kirche begann eine Zeit der Repression. „Die offizielle Einstellung zum Opium zeigt der Erlaß des Papstes im 5.Jahrhundert, der den Gebrauch des Opiums untersagt, außer für medizinische Zwecke. Dem folgt die Anweisung Karl des Großen an seine Meierhöfe, wo er im ‘capitulare de villis’ mit Bezug auf den Mohnbau sagt, daß der Mohnbau ein Werk des Satans sei, und alle, die ihn berühren, als Hexer und Giftmischer verurteilt werden sollen“ (Seefelder 1990:56).

Es lag eben „... im Verständnis der christlichen Lehre, daß Leiden nicht geheilt und Schmerzen nicht gestillt, sondern ertragen werden sollten“ (Seefelder 1990:97). Theriak und Mohn verschwanden aber doch nicht ganz aus dem frühmittelalterlichen Europa. So habe etwa Abel, Patriarch von Jerusalem, König Alfred dem Großen (gest.901) Theriak als Geschenk übersandt für die „innere Ausgeglichenheit“, laut einer sächsischen Buchabschrift (vgl. Seefelder 1990:97).

Um 950 soll sich auch folgendes zugetragen haben: zwei Heilkundige, ein Bischof und ein Mönch, trugen am Hof König Ludwigs IV. von Frankreich einen heftigen Disput aus. Der Mönch zog den Kürzeren und wollte den Bischof aus Wut vergiften. „Der Bischof aber nahm Theriak, genas und vergiftete nun seinerseits den Salernitaner“ (Seefelder 1990:97).

Der Mönch Walahfrid Strabo erwähnt 827 in seinem ‘Gärtlein’-Buch (‘hortulus’) im Kapitel 15 den Mohn, den die Göttin Demeter, „... die über den Raub ihrer Tochter betrübt war, gegessen habe, um im ersehnten Vergessen Befreiung von ihren unendlichen Sorgen zu erhalten“ (SQ Walahfrid 1510: Tit.XV).

„Vom 11.Jahrhundert an kehrte das Wissen der griechischen Ärzte in das Abend­land zurück, und zwar auf dem Umweg der Überlieferung der arabischen Medizin“ (Seefelder 1990:97). Das in den alten Bibliotheken, etwa der von Alexandria, erhalten gebliebene Wissen der Antike wurde von den moslemischen Eroberern nicht vernichtet oder voll Mißtrauen betrachtet wie im christlich und feudal gewordenen Europa, sondern begierig aufgesogen und weiterentwickelt. Erkenntnis und Naturwissenschaft standen in der Blütezeit des Islam hoch im Kurs.

Über die Grenzgebiete zum Islam kehrte das alte und weiterentwickelte Wissen dann allmählich nach Europa zurück. Zu denken wäre an Friedrich II. in Palermo, an Byzanz und an das islamische Spanien, wo vor allem die Juden des Landes als Mittler zwischen islamischer und christlicher Kultur wirkten.

Hildegard von Bingen (1098-1179) bezieht sich schon wieder teilweise auf Galen (vgl. Kap. 1.1.2), wenn sie schreibt: „Der Mohn ist kalt und etwas feucht, die Samen bewirken Schlaf und drängen die Geilheit zurück“ (SQ Hildegardis 1959:36).

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1.2.2 Die Schule von Salerno