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Traumdeutung

Ortsfamilienbuch Reicholzheim
































INHALTSVERZEICHNIS
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 1.2.1 Das Mittelalter - Christentum  und Islam

1.2.2  Die Schule von Salerno

Salerno, eine Stadt südlich von Neapel, „...wo sich einst die griechische und römische Kultur berührten...“, war nun eine „Berührungsstelle von islamischer und christlicher Kultur ...“ und wurde der Sitz für die „... erste abendländische Hochschule ...,  die eine universale Ausstrahlung hatte, besonders in der Medizin“ (Seefelder 1990:98). Diese Medizinschule wurde später hochgelobt als eine „erfrischende Oase aus dem unerquicklichen Wüstengrunde ... zwischen  den beiden Einöden der Mönchs­medizin und der Medizin der Scholastik“ (cit. in Seefelder 1990:98f).

Constantinus Africanus (um 1050) lehrte hier, „der vormals in Karthago mit Drogen gehandelt hatte“ und später zum christlichen Glauben konvertierte (vgl. Seefelder 1990:98).

Mathaeus Platearius (um 1140), ein Gelehrter dieser Schule, teilt Schlafmohn richtig in weißsamigen und schwarzsamigen ein, und schreibt: „Die salernitanischen Mütter geben ihren Kindern gepulverten weißen Mohn mit der ersten Milch; den schwarzen darf man hier nicht verwenden, da er allzu sehr betäubt“ (SQ  Platearius 1939:92f, Übers. bei Kreutel 1988:37).

Das „Antidotarium Nicolai“, um 1150 geschrieben und ebenfalls aus Salerno stammend, „... führt 140 Präparate auf, wovon 29 Opium enthalten“ (Seefelder 1990:101, vgl. auch Kreutel 1988:37). Johannes von Saint Amand (gestorben vor 1313) kommentiert das Antidotarium Nicolai in seinen „Areolae“ und warnt: Opium mache nicht nur schlafend, als Narkotikum könne es auch den Intellekt und die Sinnestätigkeit zerstören: „Opium facit dormire quia est frigidum narcoticum et destruit intellectum et sensum ...“ (SQ Johannes 1893:24). ‘Destruit intellectum et sensum’ ‑ das ist exakt die gleiche Formulierung wie bei dem persisch-arabischen Arzt Ibn Sina  (oder Avicenna, wie er in Europa genannt wurde) drei Jahrhunderte früher (vgl. Kap. 1.3.1). Johannes weiß auch, daß Opium eine Wirkung hervorruft, die der Betrunkenheit ähnlich („similem ebrietati“) ist (vgl. Kreutel 1988:39).

Das Breslauer Arzneibuch um 1320 mahnt, Opiumzubereitungen nur „mit grozer bescheidenheit“ zu geben, andernfalls würden sie schaden; denn der „opiatum nutze ist maniger slachte“ (SQ Breslauer Arzneibuch 1908:101; vgl. Kreutel 1988:40­).

Opium war auch bald wieder begehrte Handelsware: „Der Theriak, vor allem derjenige venezianischer Provenienz, stellte schon vom 13.Jahrhundert an als ‘Fertigarznei’ ein beliebtes Handelsgut dar und blieb bis zum 18.Jahrhundert das Allheilmittel schlechthin“ (Schmitz 1982:652). „Zusammen mit Venedig galt Nürn­berg als führend in der Herstellung eines der angesehensten Allheilmittel des Mittelalters, des opiumhaltigen Theriak. Der für die Stadt bedeutende Handelsartikel wurde bis 1754 unter großem Aufwand und Anteilnahme der Öffentlichkeit auf dem Marktplatz zubereitet“ (Schmitz 1982:656).

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1.3.1 Berichte östlicher Ärzte um 1000