3.2.4 Adelstugend – Bürgersünde
Als das Bürgertum allmählich an Selbstvertrauen gewann, ging es auch gegen alte, dem Adel eigene Tugenden, vor deren Nachahmung das Bürgertum seine Reihen warnte, sollten der Geldbeutel und das nüchterne Streben nach Gewinn nicht leiden. Solche neuen ‘Untugenden’ waren hohes Ehrgefühl als Ehrsucht (1657), die Ruhmsucht (1743, evtl. früher), die Prunksucht (1733), und auch die ‘Großmannssucht’ (1781).Als das Bürgertum immer mehr Wohlstand akkumuliert
hatte, kamen auch ‘Kaufsucht’ (1680),
‘Gefallsucht’ (1790),
‘Verschwendungssucht’ (1795),
‘Eß‑‘ und
‘Freßsucht’ (Jean Paul, 1796), die
‘Putzsucht’ (=„Coquetterie“,
1806), die ‘Genußsucht’ (1813) und die
‘Vergnügungssucht’ (1821) in Verruf, oft
als Süchte, die eher dem weiblichen Bürgertum drohten.
