Auswahl



Linkliste

Traumdeutung

Ortsfamilienbuch Reicholzheim
































INHALTSVERZEICHNIS
<<< vorheriges Kapitel:
2.1.3 Mittelalter und Neuzeit

2.1.4  Zusammenfassung

Die Mediziner der Antike sahen vor allem den nützlichen Gebrauch (usus) des Alkohols. Man erkannte aber auch die Entstehung  von Leiden körperlicher (etwa Händezittern und Alkoholdelir) und ethischer Art (siehe Xenophons Auflistung) durch Abusus oder schädlichen Gebrauch (vgl. auch Spode 1993b:116).

Im Mittelalter sah man, daß beim ‘Trunckenboldt’ „... auch Besessenheit und Raserei, Krankheit und früher Tod häufiger waren als gewöhnlich, doch blieb der Zusammenhang eher lose. ... Krankheit und Tod waren alltäglich und der Rasende auch ein Heiliger im Zeitalter des Wahns. Wohl wußte man um die gefährliche Macht des Weins, doch ein Zwang, stets unmäßig zu trinken, wurde kaum einmal gedacht ‑ und wenn, dann ging dieser nicht vom Getränk aus. Er beruhte auf dem ‘Zwingen’ durch die Zechgesellen, bisweilen auf geheimnisvollen Krankheiten oder  ‑ in besonders schweren Fällen ‑ auf einer dämonischen Besessenheit“ (Spode 1993b:116).

Die kritische Beschäftigung mit Alkohol blieb jedoch im Mittelalter ein „marginal­-elitäres Phänomen ... Allein in den engen Kreisen der gebildeten Kleriker und Dichter knüpfte man wieder an Wahrnehmungen der antiken Gebildeten an: ‘Laß dich nicht beherrschen vom Wein’„ (Spode 1991:100f).

Von dem Laster der Trunkenheit nahm man zwar auch „Schaden an Seele, Ehre, Leib und Gut“. Viel wichtiger aber war der Aspekt der Völlerei, der Ver­schwendung von Nahrungsmitteln, in der christlich‑mittelalterlichen Mangelgesellschaft immerhin eine Todsünde (vgl. Spode 1993b:116).

Mit dem Beginn der Neuzeit nahmen „Humanisten und Reformer  ... plötzlich massiv Anstoß am herrschenden ... Trinkverhalten“  (Spode 1993a:161), das bis dahin vor allem in der „schutzbietenden Institution“ des archaischen Festgelages stattfand. Das „archaische Gelage“ (ein Kernbegriff Spodes) war „letztlich aus Struk­turbedingungen tribaler Gesellschaften überkommen“ (Spode 1993a:161). Diese Strukturbedingungen hatten sich im Laufe des Hoch‑ und Spätmittelalters allmählich geändert, Städte und Bürgertum gewannen mehr und mehr an Einfluß.

>>> nächstes Kapitel:
2.2.1 Die Pioniere Rush und Trotter